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So übst du deine Rede

Übe laut, mit Stoppuhr, und nimm dich auf. Sprich nach Stichwörtern, nicht nach einem Skript. Halte die Rede frei und prüf danach deine Notizen. Und übe die ersten und letzten 30 Sekunden und die Übergänge einzeln. Das ist die kurze Antwort darauf, wie du eine Rede übst, ob Hochzeitsrede, Referat im Seminar oder das erste Meeting, in dem du präsentierst. Die Schritte unten stammen von Toastmasters International und aus veröffentlichten Studien; die Quelle steht jeweils dabei.

Laut, im Stehen und mit Stoppuhr

Stilles Durchlesen verdeckt die Stolperstellen, die du beim Sprechen sofort hörst (Toastmasters International). Auf dem Papier wirkt ein langer Satz ohne Atempause harmlos; laut gesprochen geht dir in der Mitte die Luft aus. Übe deshalb so, wie du die Rede halten wirst: im Stehen, mit voller Stimme und laufender Stoppuhr. Die Stoppuhr zeigt dir außerdem, ob die Rede in die Zeit passt, die du hast.

Steh aufrecht, beide Füße fest auf dem Boden. Hin- und Herlaufen und Wippen lenken ab; ein fester Stand hält deine Stimme stabil. Lass die Hände mitsprechen und bring sie danach zur Ruhe zurück.

Nach Stichwörtern sprechen, nicht nach Skript

Ein Skript Wort für Wort abzulesen, klingt nach Ablesen. Sprich nach Stichwörtern: Das klingt natürlicher, und wenn du den Faden verlierst, genügt ein Wort, um wieder reinzukommen (Toastmasters International).

Ein Beispiel. Angenommen, eine Hochzeitsrede beginnt so: „Ich habe Anna am ersten Tag an der Uni kennengelernt. Sie hat mir einen Kuli geliehen und ihn nie zurückverlangt. Zwölf Jahre später fragt sie immer noch nicht danach.“ Auf deiner Karte wird aus diesem ganzen Anfang: erster Tag · Kuli · zwölf Jahre.

Schreib für jeden Teil deiner Rede eine Karte mit wenigen Stichwörtern, groß genug, um sie mit einem Blick zu lesen.

Frei sprechen üben: erinnern statt nachlesen

Nachlesen fühlt sich nach Fortschritt an. So lernst du deine Rede besser andersherum: Übe, indem du dich erinnerst, statt nachzulesen. Halte die Rede frei und prüf danach deine Notizen (Roediger und Karpicke, 2006). Schau bei jedem Durchgang nur auf das, was du ausgelassen oder vertauscht hast, und fang wieder an.

Teile die Rede auf und übe die Übergänge

Teile deine Rede in etwa drei Teile und übe die Übergänge einzeln. Dort kommen viele ins Stocken. Sprich den letzten Satz eines Teils zusammen mit dem ersten des nächsten, bis der Wechsel ohne Nachdenken kommt.

Die ersten und letzten 30 Sekunden müssen sitzen

Am Anfang ist die Nervosität oft am größten, und mit einem klaren Schluss endest du stark. Übe Anfang und Schluss öfter als alles dazwischen, bis du ohne Blick auf die Karte beginnen und enden kannst.

Einmal komplett aufnehmen, einmal ansehen

Sobald die Rede von Anfang bis Ende läuft, nimm einen ganzen Durchgang auf, als Audio oder Video. Sieh dir deine Aufnahme nur einmal an, mit einer kurzen Checkliste, und fang mit dem an, was gut lief (Toastmasters International). Vier Punkte für die Liste:

  • Tempo: Sprich langsamer. Hastiges Sprechen ist ein typisches Zeichen für Nervosität, und ein ruhiges Tempo gibt jedem Punkt Zeit zu wirken.
  • Pausen: Mach eine Pause, wo du „ähm“ sagen würdest. Eine kurze Stille wirkt nachdenklich, nicht unsicher (Toastmasters International).
  • Blick: Schau bei jedem Gedanken eine Person an und wechsle dann in eine andere Ecke des Raums. Vor der Kamera schau ins Objektiv.
  • Stimme: Sprich bis in die letzte Reihe und variiere Tempo und Tonhöhe bei den Punkten, auf die es ankommt.

Ein Übungsplan für die Tage davor

Wann Was du tust
Sobald du den Text hast Teile ihn in etwa drei Teile und schreib für jeden eine Stichwortkarte
Bei jedem Durchgang Laut, im Stehen, mit Stoppuhr. Sprich nach deinen Karten und prüf danach deine Notizen
Wenn die Rede von Anfang bis Ende läuft Nimm einen ganzen Durchgang auf und sieh ihn dir mit deiner Checkliste an
In den letzten Durchgängen Die ersten und letzten 30 Sekunden und jeden Übergang einzeln
Am Tag der Rede Aufwärmen, früh da sein, den Raum testen

Am Tag der Rede

Wärm dich vorher auf: Summ leise, lockere Kiefer und Schultern und lies einen Satz laut vor. Komm früh und teste den Raum, das Mikrofon oder die Kamera. Weniger Überraschungen, weniger, woran du denken musst. Halte Wasser in Reichweite.

Wenn sich die Nervosität meldet: Für diese drei Tipps gibt es jeweils eine veröffentlichte Quelle.

  • Statt „Beruhige dich“ zu denken, sag dir: „Ich freue mich darauf.“ In einer Studienreihe hatten Menschen, die das taten, mehr Vorfreude und schnitten besser ab (Brooks, 2014).
  • Atme langsam, etwa fünf Sekunden ein und fünf Sekunden aus, ein paar Minuten lang. Das kann helfen, ruhiger zu werden (Zaccaro et al., 2018).
  • Deine Nervosität sieht man viel weniger, als du denkst. Wer spricht, überschätzt meist, wie sichtbar sie ist (Savitsky und Gilovich, 2003).

Und einer ohne Studie dahinter: Denk daran, was dein Publikum von dir braucht. So stehst du nicht mehr selbst im Mittelpunkt.

Blackout oder Versprecher

Blackout? Mach eine Pause, atme, schau auf deine Stichwörter und wiederhole den letzten Punkt. Die Stille kommt dir viel länger vor als dem Publikum. Falsch gesagt? Korrigier dich kurz, wenn nötig, und sprich weiter.

Häufige Fragen

Muss ich meine Rede Wort für Wort können?

Nicht die ganze. Sprich im Hauptteil nach Stichwörtern; nur die ersten und letzten 30 Sekunden müssen sitzen. Wenn du den Faden verlierst, genügt ein Wort, um wieder reinzukommen.

Soll ich mich aufnehmen?

Ja, sobald die Rede von Anfang bis Ende läuft. Sieh dir die Aufnahme nur einmal an, mit einer kurzen Checkliste, und fang mit dem an, was gut lief.

Quellen: Toastmasters International, „90 Tips“ und die Zeitschrift Toastmaster · Roediger, H. L. und Karpicke, J. D. (2006), Psychological Science · Brooks, A. W. (2014), Journal of Experimental Psychology: General · Zaccaro et al. (2018), Frontiers in Human Neuroscience · Savitsky, K. und Gilovich, T. (2003), Journal of Experimental Social Psychology. Wenn du einen Fehler findest, schreib uns, und wir korrigieren ihn.

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